Bildung in Springe – zukunftsfähig nur mit einer IGS!

Die Entscheidung der Mehrheit im Stadtrat Springe, jetzt den Weg frei zu machen für eine Integrierte Gesamtschule ist richtig – und sie ist auch zum jetzigen Zeitpunkt richtig. Es gibt viele gute Gründe, warum wir in Springe eine IGS brauchen. Und es gibt viele gute Gründe, warum wir weder eine sogenannte Oberschule brauchen, noch darauf warten müssen, bis deren Ausgestaltung in rechtlich verbindlicher Form feststehen wird. Lässt man einmal außer acht, dass die schwarz-gelbe Landesregierung ohnehin wenig Interesse daran hat, vor der Kommunalwahl sich dabei ertappen zu lassen, dass von den vielen Vergünstigungen und Versprechungen wenig übrig bleibt.
Tatsächlich gibt es mit einer IGS eine überzeugende Lösung für die Herausforderungen an ein sich ständig weiterentwickelndes Lernkonzept, das mit einem breiten und differenzierten Angebot allen Kindern beste Entwicklungsmöglichkeiten bietet. Es wird darauf ankommen, in Springe künftig zwei Bildungswege anzubieten, die kein Kind zurücklassen. Zum einen werden wir auf das bewährte und gut gefragte Angebot des Otto-Hahn-Gymnasiums setzen, das den Kindern, die am Ende der vierten Klasse dafür die Leistung bringen und den Eltern, die es wollen, einen direkten Weg bis hin zur Hochschulreife bietet. Vermutlich auch mittelfristig mit dem kurzen Weg zum Abi nach 12 Schuljahren. Zum anderen aber müssen wir auf eine Schule setzen, die allen Kindern auch in den Klassen 5 bis 10 die Möglichkeiten bietet, sich individuell mit ihren unterschiedlichen Stärken und unabhängig von einer wissenschaftlich fragwürdigen Leistungsbeurteilung im Alter von 10 Jahren weiterentwickeln zu können und beim gemeinsamen Lernen Vielfalt und Unterschiedlichkeit kennen lernen. Davon profitieren erwiesenermaßen die stärksten als auch die schwächsten Schulkinder. In Zeiten des Zentralabiturs wie der zentralen Leistungstest in den 10. Klassen ist die Behauptung, an der IGS bekäme man Abschlusszeugnisse hinterhergeworfen, nur noch als absurdes Zeug Ewiggestriger einzuordnen. Fest steh dagegen nach Erhebungen an niedersächsischen Gesamtschulen, dass Kinder am Ende der 10. Klasse besser dastehen, als man es ihnen laut Empfehlung am Ende der 4. Grundschulklasse zugetraut hatte. Rund 58 Prozent erreichen den erweiterten Sek 1 – Abschluss, nur 0,5% schaffen gar keinen Abschluss, diese Zahlen sprechen für sich!
Für die Einführung der Oberschule gibt es auf Seiten der Landesregierung lediglich demographische und ideologische Gründe. Sie bietet die Möglichkeit, überall dort, wo die Schülerzahlen drastisch zurückgehen oder die Schülerzahlen an Hauptschulklassen einstellig geworden sind, Haupt- und Realschulen zusammenzulegen. Gegenüber bisherigen bereits zusammengefassten Haupt- und Realschulen wird lediglich das bisherige Schild gegen den neuen fragwürdigen Titel Oberschule ausgetauscht. Was dann tatsächlich drin ist in dieser „Wundertüte“ Oberschule, ist weder rechtsverbindlich noch überhaupt eindeutig geregelt. Ob Klassenstärke, Zahl der Unterrichtsstunden, Ganztagsunterricht und die Zuteilung von Sozialpädagogen an den Schulen, exakte Angaben gibt es derzeit nicht, dafür umso mehr Versprechungen, mit denen schwarz-gelbe Politiker derzeit durchs Land reisen und so Lockangebote an Kommunen verteilen, ohne dass es dafür eine Grundlage gibt. Das Gesetz ist schließlich noch nicht verabschiedet. Ein Zeitschriftenabo-Werber an der Haustür ist dagegen ein seriöser Händler. Weil jedoch viele Kommunen befürchten, dass ihnen bisherige Verbesserungen für Grund-und Hauptschulen gestrichen werden oder das begrenzte Budget für die neuen Oberschulen nicht für alle reichen könnte, versuchen sie ihre bisherigen Schulstandorte mit der Oberschule zu retten. Kritiker befürchten nicht zu Unrecht, dass die Kommunen über den Tisch gezogen werden und die Landesregierung damit bis zur Kommunalwahl nur die andauernd lautstarken Forderungen nach Senkung der Hürden für die IGS abstellen will. Tatsächlich nämlich ist die Oberschule der Versuch, weitere Integrierte Gesamtschulen und den Run auf diese zu verhindern. Das hat zum Beispiel die FDP-Abgeordnete Gabriela König freimütig in einer Antwort bei Abgeordnetenwatch zugegeben: „Es wird allerdings der Trend zu immer mehr IGSen entgegengewirkt, denn so viel lässt sich schon jetzt erkennen, das Interesse an dieser Schulform ist recht groß…“ Da hilft die Oberschule, denn damit entsteht ein Zwei-Säulen Modell für die Bildung, die einen bekommen die erste Säule, das Gymnasium, die anderen die zweite Säule, die Oberschule, eine Verbindung zwischen den beiden Säulen ist nicht vorgesehen. Die bisherige Trennung in drei Schulen wird nur auf zwei reduziert. Die Gymnasiasten bleiben unter sich, die anderen kommen auf die Oberschule.
Für Springe ist eine Oberschule in jeder Hinsicht keine Alternative. Mehr noch, sie würde die Flucht von Schulkindern in benachbarte Kommunen nur verstärken. Bereits jetzt gibt es mit den Kooperativen Gesamtschulen in Pattensen, Wennigsen und Bad Münder gut erreichbare Angebote, die Jahr für Jahr die Stadtkasse durch Gastschulbeiträge mit weit über 300.000 € belasten. In Hameln ist die Elternbefragung für eine IGS erfolgreich gelaufen. Die Zahlen würden dort sogar eine acht-zügige IGS ermöglichen! Geplant ist jetzt eine fünfzügige, daneben laufen Bemühungen für eine zweite IGS in Hessisch-Oldendorf. Auch eine Umwandlung der umliegenden KGSen in IGSen ist nicht ausgeschlossen. Wer sollte also da sein Kind an eine Oberschule nach Springe schicken, wenn es in der Nachbarschaft bessere Angebote gibt, die auch noch einfacher zu erreichen sind? Die weitere Entwicklung wäre absehbar: Mehr und mehr Kinder würden Schulen außerhalb Springes besuchen. Die Stadt müsste immer höhere Gastschulbeiträge zahlen, während auch eine Oberschule beständig schrumpfen würde. Am Ende bliebe nur noch das Otto-Hahn Gymnasium als einzige weiterführende Schule übrig. Für die Stadt wäre das eine Katastrophe, für Familien ein Grund, aus Springe wegzuziehen oder gar nicht erst hierher zu ziehen.
Eine Integrierte Gesamtschule hätte dagegen genau den umgekehrten Effekt, sie würde nämlich die Attraktivität Springes für Familien erheblich steigern. Und übrigens auch für Familien in den umliegenden Kommunen. Eine IGS würde dann besonders für Kinder aus dem Landkreis Hameln-Pyrmont interessant, die keinen Platz an der IGS Hameln bekommen, denn die IGS Springe läge nur zwei S-Bahn-Stationen entfernt. Wenn die Ratsfraktionen von CDU und FDP weiter so vehement gegen eine IGS votieren oder meinen, man könne eine Entscheidung durchaus noch eine ganze Weile hinausschieben, dann handeln sie nicht nur gegen die Interessen vieler Kinder und ihrer Eltern, sondern auch gegen die der Stadt Springe.
Michael Buckup . schulpolitischer Sprecher SPD Springe