Eltern setzen auf Gesamtschulen

Kommentar von Michael Buckup

Die Überschrift zum Thema des Tages in der Überschrift der HAZ vom 18. Juli gilt nicht nur für Hannover, sondern fürs ganze Land Niedersachsen - wie auch für Springe. Allerdings müssen unsere Kinder weite Wege auf sich nehmen, wenn sie eine Gesamtschule besuchen wollen – und die Stadt muss viel Geld bezahlen, damit sie eine Schule außerhalb auch tatsächlich besuchen können. Was bei Integrierten Gesamtschulen immer seltener möglich ist, denn für alle gilt: Wir haben nicht genug Plätze, um alle Kinder aufzunehmen. So heißt es für Kinder aus Springe derzeit sowohl in Hameln als auch in Hannover „wir haben nicht einmal genügend Plätze, um den Elternwunsch aus unserer Stadt oder dem Landkreis zu erfüllen.“ In Hannover sind gerade wieder 200 Kinder leer ausgegangen, die eigentlich nach den Ferien auf eine IGS wechseln wollten. In Hameln können rund 80 Kinder nicht die neue IGS besuchen.

Angesichts dieser Zahlen stellt sich erneut die Frage, warum die schwarz-gelbe Landesregierung alles unternimmt, um den Elternwillen zu sabotieren und so vielen Kindern vorsätzlich Bildungswege und damit auch Bildungschancen zerstört. Wäre es nicht – gerade im Interesse der Kinder – naheliegend, die Gründung von Gesamtschulen in den Kommunen zu erleichtern, in deren Umkreis es nicht genügend Plätze an eigenen Gesamtschulen gibt? Damit wäre schließlich allen geholfen, Kindern und Kommunen, die eine Schule ihrer Wahl an der von der Kommune gewünschten Schule besuchen können. Derzeit ist es ja auch problemlos möglich, dass Kinder aus Springe Gesamtschulen in Pattensen, Wennigsen, Bad Münder oder sogar in Hannover besuchen.

Mit Sicherheit gäbe es eine Bewegung genau in die andere Richtung, wenn nämlich eine IGS in Springe auch Kindern aus den Nachbarkommunen offenstünde oder Eltern von abgelehnten Kindern aus Hameln und Hannover sich für die verkehrsgünstig gelegene IGS in Springe entscheiden könnten. Läge es in Entscheidungskompetenz der Stadt Springe, dann hätte man spätestens zum Schuljahr 2012/13 genau dieses Angebot machen können – mit voraussehbarem Erfolg.

Komisch, dass ausgerechnet da der von der Mövenpickpartei FDP immer wieder beschworene Wettbewerb nicht erlaubt ist. Aber es geht ja um die Verteidigung von Bildungsprivilegien und eine fatale Mischung aus Kleingeist und ideologischen Scheuklappen. Unfreiwillig oder bewusst reiht sich da auch der derzeitige Bürgermeister ein, der sich nach eigener Aussage gern „inhaltlich auch mit dem Modell einer Oberschule auseinandersetzen“ möchte. Wer verbietet es ihm denn, sich damit zu befassen? Ein Ratsbeschluss nicht, denn der spricht sich nur gegen die Errichtung einer Oberschule aus, nicht aber gegen eingeständiges Denken und die Auseinandersetzung mit dem Modell.

Gerade weil sie sich mit dem Modell auseinandergesetzt hat, lehnt die SPD diese Oberschule ab. Und befindet sich damit in guter Gesellschaft mit Bildungswissenschaftlern, Pädagogen, Gewerkschaften, Kommunalpolitikern und Eltern. Auch nicht von ungefähr gibt es an den wenigen neuen Oberschulen mit Gymnasialzweig kaum Anmeldungen von Kindern mit Gymnasialempfehlung. Die Oberschule erweist sich eben als Mogelpackung zur Verhinderung von Gesamtschulen. Und zur Verhinderung des Elternwillens. Dass sich der Trend allerdings nicht aufhalten lässt, wird besonders deutlich in Hannover. Dort sind die Anmeldezahlen an die Integrierten Gesamtschulen die einzigen, die beständig nach oben weisen. Kaum noch Anmeldungen verzeichnen die Hauptschulen, stark zurückgegangen sind auch die Schülerzahlen an den fünften Klassen der Realschulen und sogar an den Gymnasien gibt es einen Rückgang bei den Anmeldungen. Eltern wollen eben, dass ihren Kindern so lange wie möglich alle Bildungsabschlüsse offenstehen. Das Bildungssystem der Zukunft ist deshalb ein System von zwei eng verbundenen Wegen mit Gymnasium und Integrierter Gesamtschule.
Michael Buckup - bildungspolitischer Sprecher